Systemische Beratung, bekannt durch Familienstellen, findet auch während der Hypnose virtuell statt und im Einzelgespräch mittels Playmobil-Figuren. In Familienstellungen findet die systemische Sichtweise direkt Ihre Anwendung.
Einige Grundsätze der systemischen Beratung habe ich nachfolgend aufgeführt, um Ihnen einen Einblick in die Möglichkeiten der systemischen Beratung zu gewähren.
Was bedeutet “systemisch”?
Ich betrachte nicht nur das Individuum allein, sondern ich nehme es wahr in seinen Beziehungen. Dabei ist die wichtigste Beziehung in therapeutischer Hinsicht, die Beziehung zur Herkunftsfamilie. Gleichzeitig wird ein Problem nicht als Störungen gesehen, sondern als Ausdruck zwischenmenschlicher Beziehungen.
Verschiedenen Rollen in verschiedenen Systemen
- Wichtig: Die Position die ein Mensch in Herkunftssystem einnimmt, wird sein Befinden, sein Verhalten, sowie all seine Beziehungsmuster beeinflussen.
Verschiedene Rollen in verschiedenen Systemen haben ein “Störungs-Potential” mit Verstrickungen. Jede und jeder lebt gleichzeitig in verschiedenen Systemen mit unterschiedlichen Rollen:
- Im System Herkunftsfamilie:
Sohn oder Tochter/Bruder oder Schwester/EnkelIn, UrenkelIn. - Im System Partnerschaft:
(Ehe-) Mann oder (Ehe-) Frau / LebensabschnittspartnerIn / Geliebter oder Geliebte - Im System Gegenwartsfamilie:
Vater oder Mutter
Die wichtigste Rolle, bzw. die Rolle mit dem grössten Störungs-Potential ist die Rolle als Kind. Dort liegen die meisten Ursachen von Verstrickungen.
Drei Grundkräfte in systemischer Hinsicht.
1. Zugehörigkeit:
Unabhängig davon, ob ein Familienmitglied hochbegabt ist, debil, oder “normal” ist, ganz gleich, ob es behindert, früh verstorben, verrückt geworden ist oder sich umgebracht hat. Unabhängig davon, was seine Qualitäten und sein Schicksal sind: Jeder gehört dazu.
2. Ordnung:
Wo die Ordnung gestört ist, wird Energie gebunden und kann nicht mehr frei fliessen. Leider existieren in vielen Familien diese Ordnungen nicht. Mitglieder werden ausgeschlossen, andere wollen die Verantwortung für ihr Handeln nicht tragen. Wenn gegen die Ordnung verstossen wurde, wird das vielleicht von den Familienmitgliedern vergessen, das Wissen darüber löst sich jedoch nicht in Luft auf.
Schicksal und Selbstverantwortung
- Darum hat jeder Mensch sein Schicksal selbst zu tragen, ganz gleich wie es im Einzelfall auch ist.
- Zum persönlichen Schicksal gehört auch die persönliche Verantwortung für all das, was jemand in seinem Leben getan hat.
Rangfolge und Platz
- Wer zuerst da war, kommt an erster Stelle – das gibt Sicherheit in der Beziehung. Die erste Bindung hat Vorrang vor der zweiten, unabhängig welche Qualität die erste hat.
- Die Rangfolge zeigt sich im Uhrzeigersinn zwischen “früher” und “später”
- Am ersten Platz steht derjenige der die Verantwortung für die Sicherheit des Systems übernommen hat.
3. Der Ausgleich
Störungen der Ordnung werden oft von Mitgliedern einer späteren Generation ausgeglichen. Offensichtlich gibt es in der Seele ein unwiderstehliches Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Ausgleich – über Generationen.
Drei Grundmuster von Beziehungen
- Die Beziehung der Kinder zu den Eltern -
die Beziehung von “klein” zu “gross” - Die Paarbeziehung -
die Beziehung von “gleich” zu “gleich” - Die Beziehung der Eltern zu den Kindern -
die Beziehung von “gross” zu “klein”.
Die Beziehung der Eltern zu den Kindern, also von “gross” zu “klein” soll nachfolgend als Beispiel dienen. Grundsätzlich gilt in dieser Beziehung: “Ich bin der Grosse, du bist der Kleine. Ich gebe – und du nimmst”
Folglich gilt: Wenn etwas zu tragen ist, dann haben es die Eltern zu tragen. Demnach ist das Verhältnis in Unordnung, wenn die Eltern die Kinder brauchen.
Beispiel:
- Mutter zur Tochter: “Ich hätte dich gerne näher – ich möchte dich gerne umarmen.”
- Vater zum Sohn: Du bist mein bester Kumpel, ich brauche dich.
Vorsicht: Möchte Mutter oder Vater Geben oder Nehmen? Wer hält wen? Wer legt den Kopf auf die Schulter von wem? Wer braucht wen? Wer belastet wen?
Die Bindung zwischen Eltern und Kindern war und bleibt immer eine zwischen Ungleichen. Eltern und Kind sind nicht gleich, nicht auf gleicher Ebene, deshalb können sie nie Freunde sein.
- Eine Mutter die ihrer Tochter eine Freundin sein will, tut der Tochter nicht gut.
- Ein Vater, der Kumpel seines Sohnes wird, wird von diesem nicht ernst genommen, was beiden die Kraft nimmt.
Insgeheim verachten solche Kinder ihre Eltern. Sie sehnen sich nach “richtigen” Eltern, zu denen sie aufschauen können. Warum aufschauen? Weil die Eltern über den Kindern stehen, weil das Kind aus ihnen hervorgegangen ist. Die Beziehung von Mann und Frau ist eine andere, sie ist eine Beziehung unter Gleichen. Allerdings nur im Sinne von gleichwertig, ansonsten sind sie grundverschieden.
Grundkraft in der Partnerschaft
Es werden drei Grundkräfte in der Partnerschaft unterschieden:
- Die Kraft der Bindung in der Partnerschaft
- Die Kraft des Ausgleichs in der Partnerschaft
- Die Kraft der Ordnung in der Partnerschaft
Die 3. der drei Grundkräfte besagt, dass die Paarbeziehung vor dem Eltern-Sein Vorrang hat, d. h. in der Paarbeziehung selbst geht der Partner dem gemeinsamen Kind vor. Für die Paarbeziehung ist es wichtig, dass sie Vorrang hat vor dem Eltern-Sein, denn das Eltern-Sein ist eine Fortsetzung der Paarbeziehung.
Wenn ein Paar Kinder hat, nimmt das Eltern-Sein oft die ganze Energie in Anspruch und für die Paarbeziehung bleibt wenig übrig. Besonders Mütter neigen dazu, sich nach der Geburt eines Kindes mehr dem Kind zuzuwenden als dem Mann. Die Kinder kommen für sie zuerst, der Mann muss sich hinten anstellen.
Letzteres ein Grund weshalb eine Beziehung leidet und auch das Kind, denn es kommt in eine Position, die ihm nicht zusteht und es überfordert – auch wenn sich manche Kinder in dieser Rolle gut fühlen.
Weshalb “Systemische Beratung”?
Viele der aufgezeigten Kräfte und Regeln mögen Ihnen im ersten Augenblick ungewohnt und befremdlich erscheinen. Die Regeln sind aus vielen Erfahrungen entstanden und es wurde grundsätzlich darauf geachtet, Grundsätze zu finden, welche die Menschen stärken.
Entscheidend hat B. Hellinger das Familienstellen weiter entwickelt und vertieft. Mittels Stellvertretern und Stellvertreterinnen wird dem Betreffenden die eigene Familie lebendig und anschaulich vor Augen geführt. Daraus können Impulse entstehen die den Einzelnen stärken, beginnend in der Familie.
